Leibliche Kinder in Erziehungsstellen und Familienwohngruppen

27. Apr.. 2026Betreuungsstellen, Bewerber*innen, Informationen, Jugendämter

Erziehungsstellen und Familienwohngruppen sind besondere Lebensorte. Sie verbinden familiäres Zusammenleben mit einem professionellen pädagogischen Auftrag. Im Mittelpunkt stehen häufig die aufgenommenen Kinder und Jugendlichen – ihre Bedürfnisse, ihre Biografien und ihre Entwicklungsperspektiven. Weniger sichtbar, aber ebenso bedeutsam, sind dabei die leiblichen Kinder der Betreuungspersonen, die diesen Alltag selbstverständlich mittragen und mitgestalten.

 

Die zweite Online-Fachtagsreihe des Jahres zum Thema „Störungsbilder gemäß ICD-10“ startet.

Leibliche Kinder wachsen in einem Umfeld auf, das sich in vielerlei Hinsicht von klassischen Familienkonstellationen unterscheidet. Sie teilen ihren Alltag, ihre Eltern und ihre Lebensräume mit jungen Menschen, die häufig belastende Erfahrungen mitbringen und besondere Unterstützung benötigen. Dies kann bereichernd sein, neue Perspektiven eröffnen und soziale Kompetenzen stärken. Gleichzeitig entstehen jedoch auch Spannungsfelder. Fragen nach Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit, Abgrenzung und Gerechtigkeit stellen sich im Alltag immer wieder neu.

Hier liegt eine zentrale fachliche Verantwortung – nicht nur innerhalb der Familie, sondern auch auf Seiten des Trägers und der Fachberatung. Leibliche Kinder sind kein „Nebenaspekt“ der Hilfe, sondern ein integraler Bestandteil des gesamten Systems. Ihre Perspektive muss gesehen, ernst genommen und aktiv in die pädagogische Arbeit einbezogen werden.

Für die Fachberatung bedeutet dies, regelmäßig Raum zu schaffen, um die Situation der leiblichen Kinder zu reflektieren:

Wie erleben sie das Zusammenleben?

Welche Rolle nehmen sie ein?

Wo zeigen sich Belastungen oder Konflikte?

Und wo liegen Stärken, Ressourcen und positive Entwicklungen?

Diese Fragen sind nicht einmalig zu klären, sondern Teil eines fortlaufenden fachlichen Prozesses. In herausfordernden Situationen – etwa bei Krisen, Neuaufnahmen oder Veränderungen im Setting – ist es wichtig, die Auswirkungen auf die leiblichen Kinder bewusst mitzudenken.

Auch im Kontext von Beteiligung und Kinderschutz kommt dieser Perspektive eine besondere Bedeutung zu. Leibliche Kinder haben – wie alle Kinder im System – ein Recht darauf, gehört zu werden, sich zu äußern und Unterstützung zu erhalten. Dies erfordert eine sensible, klare und verlässliche Begleitung durch den Träger.

Die Auseinandersetzung mit dieser Thematik wird auch in der Fachliteratur zunehmend aufgegriffen. Sie macht deutlich, dass die Einbeziehung der leiblichen Kinder nicht nur eine Frage der Fürsorge ist, sondern eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen familienanaloger Hilfen insgesamt.

Für die h&p Baden-Württemberg bedeutet dies, die Perspektive der leiblichen Kinder bewusst in den Blick zu nehmen und als festen Bestandteil der fachlichen Begleitung zu verstehen. Die Fachberatung hat dabei die Aufgabe, diese Themen kontinuierlich zu reflektieren, anzusprechen und gemeinsam mit den Betreuungspersonen tragfähige Lösungen für den Alltag zu entwickeln.

h&p Baden-Württemberg gGmbH